Unser
Stresstest

Was ist Stress?

Jeder kennt das: Der Tag ist voll mit Aufgaben und oftmals viel zu schnell vorbei, um alles zu erledigen. Die To-Do-Liste wird länger, ein Blick zur Uhr zeigt, dass die Zeit rast. Man hatte sich doch vorgenommen, heute mal alles zu schaffen. Zu allem Überfluss schaut der Chef noch mit einem neuen, dringenden Projekt vorbei, das Handy klingelt mehrfach und heute hatte man sich ausgerechnet auch zum Sport gleich nach der Arbeit verabredet. Nervosität und Anspannung machen sich breit: Da kann man ja nur gestresst sein!

So eine oder eine ähnliche Situation haben wir alle schon erlebt. Wir alle kennen schließlich Stress und seine Symptome sind uns häufig vertraut. Doch was ist Stress eigentlich genau? Und wofür brauchen wir Menschen ihn? Was ist negativer Stress? Ist positiver Stress wirklich immer gut für den Körper? Und ab wann ist der Stress zu viel, sodass sich Ermüdung und ein Gefühl von Schwäche und ausgelaugt sein breit macht?

Was ist Stress überhaupt?

Stress ist eine körperliche Reaktion des Menschen auf eine Gefahrensituation. Stehen wir vor einer schwer zu bewältigenden Aufgabe, wird der Körper in Alarmbereitschaft gesetzt. Für kurze Zeit erhält er mehr Energie, um die Belastung zu meistern.

Zuerst trifft ein äußerer Reiz auf die Sinnesorgane wie Augen oder Ohren. Diese nehmen den Stressfaktor wahr und senden eine Nachricht an das Gehirn, wo solche Reize verarbeitet werden. Die Muskulatur wird angespannt, die Atmung schneller, der Blutdruck steigt. Unsere Sinne sind geschärft.

Evolutionsbiologisch betrachtet, ist diese Reaktion des Körpers auf Zustände wie Anspannung oder Angst eine lebensrettende Maßnahme. Eine Stressreaktion versorgt den Organismus mit Energie, die zur bekannten "Fight or Flight"-Reaktion (Kampf-oder-Flucht-Reaktion) genutzt werden kann. Das bedeutet in etwa so viel, dass der Körper so angespannt ist, dass er auf einen Kampf oder eine spontane Flucht vorbereitet ist. Entwicklungsbiologisch ist Stress also eine sehr nützliche Funktion unseres Körpers, um die Leistungsfähigkeit zu erhöhen. Wird Stress allerdings zum Dauerzustand, kann die Gesundheit erheblich darunter leiden. 

Chronischer Stress belastet den ganzen Körper. Das Immunsystem wird geschwächt und ist somit anfälliger für Infektionen. Auch das Risiko für Herzinfarkte steigt durch dauerhaft erhöhten Blutdruck. Auf Dauer kann Stress sogar die Seele krank machen. Ständige Überforderung und starke Anspannung können zu dem Risikozustand „Burnout“ und auch zu psychischen Erkrankungen wie Depressionen führen. 

Eine der ersten Definitionen von Stress kommt von dem ungarisch-kanadischen Mediziner Hans Selye. Er gilt als einer der ersten Stressforscher und verwendete in einer Monographie im Jahr 1950 erstmals den Begriff Stress. Er versteht darunter "die unspezifische Reaktion des Körpers auf jegliche Anspannung". 

Was ist der Unterschied zwischen positivem und negativem Stress?

Entgegen seines Rufes ist Stress also nicht nur schlecht. Hans Selye unterscheidet zwischen Eustress, positiv erlebtem Stress, und Distress, also negativ erlebtem Stress. Die Silbe "eu-" bedeutet im Griechischen "gut", während sich "dys-" mit "schlecht" übersetzen lässt. 

Kurzzeitig können Stresshormone helfen, schwierige Situationen zu bewältigen. Positiver Stress erhöht die Aufmerksamkeit und steigert die Leistungsfähigkeit. Er motiviert – man denke an die Nervosität des Sportlers vor einem wichtigen Turnier. Auch Schauspieler berichten oft, dass das gefürchtete Lampenfieber Gold wert sei für einen souveränen Auftritt. Sogar Nervosität vor einem schönen Ereignis wie einer Hochzeit äußert sich oft als Stress. 

Folgt auf den Stress jedoch kein Ausgleich, kommt es zu negativem Stress. Distress entsteht vor allem in Situationen, die man nicht bewältigen kann. Die überschüssige Energie des Körpers wird nicht abgebaut. Stresshormone setzen den Organismus unter Dauerstrom. Die Folge: Wir fühlen uns erschöpft, antriebs- und kraftlos, mit einem Gefühl von Schwäche – wie ausgebrannt. Ursachen von Stress sind meist psychische Belastungen wie anhaltender Leistungsdruck oder Konflikte im Familien- oder Freundeskreis.

Was löst Stress aus?

Faktoren, die Stress verursachen, nennt man Stressoren. Stressoren können physischer Natur sein, zum Beispiel Hitze und Kälte, aber auch, Belastung mit Feinstaub oder Straßenlärm. Letzterer ist gerade in vielen Großstädten ein Problem und führt bei vielen Leuten zu Stress. Psychische Stressoren sind vor allem Termindruck, soziale Konflikte oder finanzielle Sorgen. Aber auch übermäßig hohe Ansprüche an uns selbst können zur Überforderung mit den bekannten negativen Folgen führen. 

Oft sind es aber gar nicht die großen Tragödien, die zum Problem werden. Die meisten Stressreaktionen entstehen durch kleine Ärgernisse im Alltag. Diese sind sicherlich nur zu gut bekannt:

Familiäre Eingebundenheit

Als Eltern hat man viele Pflichten zu erfüllen. Einfach mal eine Pause machen und sich eine Auszeit gönnen? Gerade mit kleineren Kindern ist das oft unmöglich. Kinder wollen versorgt und umsorgt werden und können nicht einfach in den Ruhemodus versetzt werden.

Aber auch ohne Kinder können wir familiär sehr eingespannt sein, etwa mit der Betreuung oder Pflege eines Familienangehörigen. Eine zeitaufwändige und verantwortungsvolle Aufgabe, die auch oft mit sehr viel Stress verbunden ist.

Leistungsdruck im Beruf

Eine Deadline jagt die nächste, das E-Mail-Postfach ist randvoll, Chatnachrichten trudeln ständig ein und die Nerven liegen blank? Stetiger Druck im Beruf ist ein klassischer Stress-Auslöser. Hier kommen nämlich zwei Faktoren zusammen: der äußere und der innere Leistungsdruck. Der Chef bedient hierbei den äußeren Faktor. Er stellt hohe Erwartungen und möchte diese auch erfüllt sehen. Hinzu kommt, dass man ihn nicht enttäuschen und natürlich eine gute Leistung bringen möchte. Das kann schnell zu einem Stress-Problem führen.

Mehrfachbelastung

Als wäre ein Stress-Auslöser nicht genug, treffen oftmals viele kleinere Faktoren aufeinander. Auch wenn eine Sache vielleicht gar nicht so stressig wirkt, so kann sie ganz schnell zu einem Problem werden, wenn andere Stress-Faktoren hinzukommen. Familie, Haushalt und Arbeit lassen sich gut jonglieren, solange die Kinder in der Schule oder Kita sind. Ist diese aber geschlossen, etwa wegen Ferien oder in Pandemiezeiten, wollen die Kinder natürlich beschäftigt werden. Bei gleichzeitigem Homeoffice und fehlender Betreuungsmöglichkeiten, ist Stress vorprogrammiert. Gleiches gilt auch für längere oder häufige Krankheitszeiten des Kindes, die schnell den gewohnten Ablauf durcheinanderwirbeln und für Stress sorgen.

Eigener Leistungsanspruch

Oft sind wir es selbst, die eine stressige Situation noch verschlimmern. Nämlich dann, wenn wir das Gefühl haben, unseren eigenen Anspruch an uns selbst nicht zu erfüllen. Wenn die Vorstellung von dem eigenen Ideal mit der Realität kollidiert. Das erzeugt inneren Druck und Unzufriedenheit, vor allem aber Stress.

Freizeitstress

Auch abseits des Büros und den Familienpflichten sucht uns Stress heim und zwar dort, wo wir ihn am wenigsten gebrauchen können: in unserer Freizeit. Manchmal kann es ganz schön herausfordernd sein, einen passenden Termin für ein Treffen mit Freunden zu finden. Die Planung selbst kann schon Stress ausüben. Aber auch zu viele Termine in kurzer Zeit, so schön sie auch sein mögen, können Stress verursachen. Das beste Beispiel ist das Wochenende. Nachdem die ganze Woche anstrengend war, wollen wir uns belohnen und all die Dinge unternehmen, die uns Freude bereiten und für die wir unter der Woche keine Zeit haben. In Summe kann es aber passieren, dass wir uns zu viel vornehmen und statt der erhofften Auszeit eher Stress verursachen.

Stress im Alltag

Es muss aber nicht immer diesen einen Grund geben. Oftmals sind es kleine Situationen oder der Alltag selbst, der uns stresst. Als Beispiel: „Der Tag hätte toll anfangen können. Die Sonne scheint, es ist Donnerstagmorgen und die Woche ist schon fast geschafft. Ich stehe beschwingt auf. Auf dem Weg ins Badezimmer stolpere ich über herumliegendes Spielzeug. Die Spülmaschine ist auch noch nicht ausgeräumt und das schmutzige Geschirr stapelt sich daneben. Ein Blick auf den übervollen Bügelkorb verheißt eine kleine Nachtschicht. Irgendwo schreit ein Kind. Immer bleibt alles an mir hängen! Dabei gibt es auch im Büro noch einiges zu tun, und für den Besuch am Wochenende muss noch ein Kuchen gebacken werden. Schon bin ich gestresst.“

Ein häufiges Beispiel für Stress findet sich beispielsweise auch im Straßenverkehr. „Ich habe es gerade eilig, meine Partnerin wartet nicht gerne allein vor dem Kino. Allerdings bin ich schon wieder viel zu spät im Büro weggekommen. Da quetscht sich vor mir ein Fahrzeug in die Schlange und ich stehe schimpfend vor der roten Ampel. Nervöse Anspannung macht sich im Körper breit, meine Hände werden schwitzig und ich rutsche unruhig hin und her und schon sind sie da – die ersten Anzeichen von Stress. Kopfschmerzen breiten sich über die Schläfen aus und mein Nacken beginnt zu schmerzen. Irgendwann stehe ich endlich vor dem Kino – total erledigt und mit wenig Lust auf den Film.“

Fazit

Stress muss nicht immer negative Auswirkungen haben. Eustress ist eine nützliche körperliche Reaktion. Sie hilft dem Menschen, sich auf eine Sache zu fokussieren. Vor einer Prüfung spüren wir die unangenehmen körperlichen Vorzeichen wie schwitzige Hände und eine flache Atmung. Uns ist flau im Magen. Aber unser Körper versorgt uns jetzt mit der nötigen Energie, um diese Prüfung zu meistern. Nach der Prüfung löst sich die Anspannung dann wie ein Knoten – unsere Körperfunktionen kommen wieder ins Gleichgewicht und wir können gelöster durchatmen. 

Stress ist also eine ziemlich nützliche Funktion unseres Körpers. Er sollte nur nicht zur Dauerbelastung werden. Denn chronischer Stress wirkt sich negativ auf die Gesundheit aus, wie eine Studie aus Schottland belegt. Die Folgen von anhaltendem Stress können körperliche Beschwerden oder sogar psychische Leiden sein. Erschöpfung, Müdigkeit, Reizbarkeit oder Konzentrationsschwäche sind bei anhaltender Stressbelastung als Symptome zu nennen.