Unser
Stresstest

Was sind die Ursachen von anhaltendem Stress?

Stress ist überall. Auf der Arbeit, in der Familie, im Freundeskreis, beim Sport und im Stau. Sogar im Urlaub, der doch eigentlich zum Abschalten gedacht ist, lauert er. Wir alle kennen das.

Dabei ist Stress eigentlich eine natürliche und nützliche Reaktion des Körpers bei Gefahr. Um eine kritische Situation zu bewältigen, versetzt er uns in Alarmbereitschaft. Kurzzeitig stellt der Körper mehr Energie bereit und schraubt seine Leistungsfähigkeit hoch und stellt sich so auf die herausfordernde Situation ein.

Es gibt jedoch einen Haken. Der Stress muss auch wieder abgebaut werden. Passiert das nicht, können sich Müdigkeits- und Schwächegefühle bei uns einstellen. Hält der Stress dauerhaft an, kann das zu einer Vielzahl körperlicher und psychischer Symptome wie zum Beispiel Herz-Kreislauf-Krankheiten, Diabetes oder Schlafstörungen führen. Chronischer Stress kann uns krank machen. Aber was genau sind die Ursachen von Stress? Und wie lässt sich anhaltender Stress vermeiden?

Was kann das Gefühl von zu viel Stress verursachen?

Stressauslöser sind sogenannte Stressoren. Das sind äußere oder innere Reize, auf die der Körper mit den typischen Stress-Symptomen reagiert. Etwa Herzrasen, Schwindel, Kopfschmerzen oder schwitzige Hände. 

Was wir als Stress-Ursache wahrnehmen, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Manche empfinden Straßenlärm als belastend, andere können sich erst mit Hintergrundgeräuschen so richtig entspannen. Viele Leute fühlen sich von Terminen gestresst, andere Menschen verspüren angesichts drohender Langeweile eine Rastlosigkeit auf der Suche nach neuen Beschäftigungen. 

Äußere Reize sind physische Faktoren wie Hitze, Kälte, Hunger, Durst, Krankheit, Lärm oder Schadstoffbelastung. Auf die meisten äußeren Reize haben wir keinen Einfluss. Innere Stressoren dagegen sind von uns selbst verursacht. Das können unerfüllbare Erwartungen sein, die wir an uns selbst stellen, oder die Angst bei hohem Leistungsdruck zu versagen. 

Was ist der Unterschied von positivem Stress und negativem Stress?

Stress ist nicht gleich Stress. So kann man auch zwischen positivem und negativem Stress unterscheiden. Positiver Stress oder Eustress spornt zu Höchstleistungen an. Schließlich ist die Reaktion des Körpers auf stressige Situationen zunächst eine sinnvolle Anpassung: Um die Herausforderung zu meistern, wird mehr Energie bereitgestellt. Negativer Stress oder Distress dagegen entsteht, wenn man sich der Situation nicht (mehr) gewachsen fühlt. Akuter Stress ist also kaum zu vermeiden und kann unter Umständen sogar motivierend wirken.

Doch eines ist klar: Langanhaltender Stress hat für jeden von uns gefährliche Auswirkungen auf die Gesundheit. Dabei sind nicht nur körperliche Beschwerden ernst zu nehmen. Auch psychische Leiden können erste Anzeichen schwerwiegender Erkrankungen sein. Die Symptome und Folgen von zu viel Stress sind dabei so vielfältig wie seine Ursachen.

Was sind die Top-Stressverursacher?

Laut einer TK-Studie empfinden 43 % der Teilnehmer vor allem die hohen Ansprüche an sich selbst als belastend*. Nur die Arbeit wurde noch häufiger als Stress-Auslöser benannt. Der Job steht seit Jahren unangefochten auf Platz eins der Stressoren. Jüngere Menschen fühlen sich von Schule, Uni oder Ausbildung gestresst.

Überraschendes Ergebnis der Studie ist auch: Nach Job und den hohen Anforderungen an einen selbst folgt die Freizeit als größter Stressfaktor. Ein Drittel der Befragten fühlt sich von zu vielen Terminen und Verpflichtungen gestresst. Häufig werden auch ständige Erreichbarkeit und die Fortbewegung im Straßenverkehr als Auslöser von Stress genannt.

Zu den klassischen Stressoren zählen Konflikte im sozialen Umfeld und finanzielle Sorgen, aber auch der Verlust oder die Erkrankung von Angehörigen. Interessant, aber vielleicht wenig überraschend: Frauen fühlen sich von Haushalt, Familie und Kindererziehung mehr gestresst als Männer. 

Wie beeinflussen moderne Medien den Stress?

Vor allem moderne Phänomene wie die sozialen Medien werden schnell zu Stressoren. Viele Menschen fühlen sich vom Dauersog ihres Bildschirms gestresst. Und weil sich oft Arbeit und Privatleben gleichermaßen im Netz abspielen, gibt es immer weniger Möglichkeiten, wirklich abzuschalten. Die TK-Studie* fand zum Beispiel heraus, dass Teilnehmer, für die soziale Medien zum Alltag gehören, im Durchschnitt ein höheres Stresslevel aufweisen als jene, die eher wenig Zeit im Internet verbringen. Die digitale Transformation hinterlässt Spuren. Gerade in der schnelllebigen Welt scheint eine gute Work-Life-Balance also unerlässlich. 

Welche Faktoren verstärken Stress?

Vor allem innere Reize wirken oft als Stressverstärker. So können Gefühle wie Angst, Ungeduld oder Kontrollzwang die Belastung zusätzlich erhöhen. Oft führt ein übertriebener Perfektionismus auch dazu, dass wir alltägliche Aufgaben als belastend empfinden. 

Um solche Stressreaktionen zu verhindern, sollten wir uns also darüber klar werden, welche Faktoren das Problem verschlimmern. Auch hier kann eine konkrete und aktive Fragestellung helfen: Wodurch verstärkt sich bei mir der Stress?  

Alarm

Unser Körper reagiert auf äußere oder innere Reize. Diese werden an das Gehirn weitergeleitet, wo sie im limbischen System verarbeitet werden. Daraufhin schüttet der Körper vermehrt Hormone aus. Adrenalin und Noradrenalin setzen Glukose und Fettsäure aus Fettzellen frei. Diese können rasch Energie liefern. In Folge kommt es zu einem erhöhten Blutdruck und Puls. Auch der Blutzuckerspiegel steigt. Gleichzeitig wird Cortisol freigesetzt. Auch dieses Hormon versorgt den Körper rasch mit Energie. Die Verdauung oder das Immunsystem sind dagegen jetzt nicht so wichtig. Sie werden deshalb kurzfristig gedrosselt. Der ganze Körper versetzt sich so in einen Zustand erhöhter Aktivität und Alarmbereitschaft.

Widerstand

Nach dieser kurzen, akuten Alarmreaktion bemüht sich der Körper darum, den Stress wieder zu reduzieren. Der Körper versucht die Stress-Hormone abzubauen. Ziel ist es, wieder zum Normalzustand zurückzufinden. Diese Phase kann nur kurzfristig gehalten werden. Hält sie über längere Zeit an, stellt sich ein Gefühl, wie unter Dauerstrom stehend ein. Die Folge ist große Erschöpfung.

Langzeitfolge: Erschöpfung

Wenn der Körper seine Energiereserven aufgebraucht hat, kann er den Stress nicht mehr abbauen. Es kann zu scherwiegenden Langzeitfolgen kommen. Das dauerhaft geschwächte Immunsystem kann Infektionen nicht mehr abwehren. Das können zum Beispiel harmlose Erkältungen sein, aber auch ernsthaftere körperliche oder psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen können die Folge sein.

Wie kommt es zu Beschwerden bei dauerhaftem Stress?

Mehr als die Hälfte der Deutschen fühlt sich in ihrem Leben gestresst. Mal beruflich oder auch privat. Zu diesem Ergebnis kam die Techniker Krankenkasse, die mit ihrer Studie "Entspann Dich, Deutschland" dem Stressempfinden der Deutschen auf den Zahn fühlte.*

Hans Selye gilt als einer der ersten Stressforscher. Er beschrieb das sogenannte allgemeine Anpassungssyndrom (AAS), das sich aus drei Phasen zusammensetzt. Diese sind Alarm, Widerstand und Erschöpfung.

Fazit

Die Hauptfrage lautet also: Wie kann ich die Ursachen von anhaltendem Stress minimieren?

So pauschal lässt sich das natürlich nicht beantworten. Manche Faktoren liegen vielleicht auf der Hand, andere aber müssen erst aufgedeckt werden. Die Frage, die wir uns also zuerst stellen sollten, ist: Wann bin ich dauerhaft gestresst? Oder vielleicht sogar: Kann ich klar ausmachen, was mich stresst?

Eines steht fest: Stressfaktoren sind vielfältig. Und meist liegen langanhaltender Stress-Belastung nicht eine, sondern mehrere Ursachen zugrunde. So sollten wir uns einmal genau überlegen, welche Situationen Stressreaktionen bei uns auslösen.

Verstärkt sich die Anspannung zum Beispiel immer dann, wenn es zusätzlich zum fordernden Job Streit in der Familie gibt? Wird mein eigentlich geregelter Haushalt in Zeiten körperlicher Angeschlagenheit plötzlich zur unüberwindbaren Hürde? Jeder Mensch reagiert auf bestimmte Situationen anders.

Dinge wie Jobverlust oder Krankheit lassen sich leider nicht immer vermeiden. Ein übersteigerter Medienkonsum dagegen schon. Wenn wir genau wissen, welche Faktoren bei uns Stress auslösen, können wir besser mit der Belastung umgehen. Sollte das Gefühl überhandnehmen, dass aus einer stressigen Phase ein Problem wird, sollten wir nicht zögern Hilfe zu suchen und auch anzunehmen. Manchen ist der Freundeskreis Stütze genug, aber sollten sich psychische und körperliche Symptome zeigen, empfiehlt es sich einen Arzt zurate zu ziehen.